Shosta
Für dieses Interview bleiben wir hier im schönen Deutschland. Ich konnte mich mit Peter von SHOSTA über Politik, Kunst und natürlich über Musik unterhalten. Wir erfahren auch, wie Peter durch seine Mutter zur "Tanzmusik" kam. Für mich hätte dieses Interview noch ewig weitergehen können. SHOSTA ist auch auf Tour, wenn ihr könnt, geht gemeinsam tanzen und feiern!
Für die Clubber die SHOSTA noch nicht kennen, wer seid ihr und was bedeutet SHOSTA?
SHOSTA sind Moritz am Schlagzeug und ich (Peter), der singt. 2022 haben wir uns über die Arbeit kennengelernt und da SHOSTA aus einem Zimmer auf die Bühne verholfen. Der Name SHOSTA leitet sich ab von dem russischen Komponisten Dimitri Shostakovich, dessen Werk und Biografie ich schon immer sehr spannend fand und der in gewisser Weise mein Lieblingskomponist ist. Klassische Musik hat in meiner Vergangenheit eine sehr große Rolle gespielt und tut es bis heute.


Shosta Live - Dmitri Shostakovitch
"In einem dunklen Zimmer am Beginn der Pandemie 2020 wurde SHOSTA geboren." Das könnte von Kafka stammen, wie kam es zur Geburt von SHOSTA? Ist es gar auch eine Art von Metamorphose?
Tatsächlich ist das Projekt wie viele andere auch im ersten Lockdown entstanden. Ich hatte damals noch eine andere Band. Wir konnten nicht mehr proben und unsere komplette Tour ist wegen des Lockdowns ausgefallen. Das hatte mich frustriert aber ich wollte weiter Musik machen. Am Anfang war SHOSTA ein Solo - Metalprojekt (Richtung Gothic Metal, PostMetal) mit dem da auch schon zwei EPs erschienen waren. Aber ganz ehrlich, alleine macht so eine Musik einfach keinen Spaß. Durch meine Mutter und auch durch Freunde von ihr bin ich mit der tanzenden schwarzen Szene aufgewachsen also hab ich den Metal begraben und tanzbarere Musik gemacht, wodurch dann die erste EP „Wachsen“ entstanden ist.

Shosta - noch ohne Fledermaus
SHOSTA wurde als Soloprojekt gegründet, aber mittlerweile bist du nicht mehr allein, inwiefern ist Solo und Nicht-Solo anders? Kann man es evtl. mit dem Singledasein und einer Partnerschaft vergleichen?
Am Anfang war es gar keine Option mit der Sache auf die Bühne zu gehen. Es sollte ein Studioprojekt bleiben und fertig. Im Laufe der Zeit wuchs der Wunsch wieder auf die Bühne zu kommen immer mehr und ich wollte das nicht alleine machen. Ich finde Musik ist Kommunikation und Austausch und SHOSTA hatte genug Zeit alleine zu Hause verbracht. Außerdem mochte ich den Gedanken, dem ganzen etwas organisches zu geben weswegen erst die Gitarre und dann auch das Schlagzeug dazukam. Kann man das mit dem Single-Dasein und Partnerschaft vergleichen? In gewisser Weise schon. Ich schätze die Arbeit zu dritt (wie vor einem Jahr noch) und jetzt auch zu zweit sehr, da der Austausch mich als Mensch und auch als Künstler weiter bringt. Ich habe das Gefühl, dass unsere Musik und auch unsere Performance auf der Bühne einfach zusammen mehr Kraft hat als sie es alleine hätte.
Die Songs von SHOSTA sind schon sehr persönlich, gibt es nicht die Angst zu viel von sich selbst preiszugeben?
Wenn ich nach einem Konzert von der Bühne komme brauche ich Zeit für mich. Manchmal fühlt es sich so an, als hätte ich aus meinem Tagebuch vorgelesen. Das ist anstrengend, wühlt auf, tut manchmal weh aber Angst habe ich dabei nicht. „Was uns verbindet macht uns stärker“ heißt es oft und ich denke, dass die Dinge über die ich schreibe viele Menschen betreffen, die mitfühlen können und die sich gehört fühlen. Und auf der Bühne zu stehen und darüber zu singen ist vielleicht nicht nur eine kleine Therapiesitzung für mich alleine, sondern für alle die uns in dem Moment zuhören
Wie passen Düsseldorf und München zusammen? Wo sind die Harmonien und Disharmonien in dieser Kombo?
Dieser Fakt hat sich einfach mit der Zeit ergeben. Wie schon erwähnt haben wir uns auf der Arbeit in einer kleinen fränkischen Stadt kennengelernt. Bis dato war die Standortfrage kein Problem. Nach einer Zeit sind wir beruflich verschiedene Wege gegangen, aber SHOSTA sollte in der Konstellation bestehen bleiben. Hier kommt wieder die Pandemie ins Spiel. Durch diesen gesellschaftlichen Ausnahmezustand haben sich wirklich gute Werkzeuge entwickelt, mit denen wir online Musik schreiben und kommunizieren können. Das hat zumindest in dieser Hinsicht große Vorteile gebracht. Bezüglich der Städte im speziellen muss ich sagen unterscheiden sie sich vermutlich weniger als viele Leute zugeben wollen. Beide Städte sind relativ versnobt aber haben auch ihre kleinen Alternativen Ecken, die man schätzen sollte.


SHOSTA sind Peter & Moritz
Ich denke, dass wir uns einig sein können, dass die Szene nicht, wie sie selbst von sich behauptet, unpolitisch ist. Sie ist durchzogen von aller Art Faschisten, Antisemiten, Homophoben… SHOSTA zeigt da klare Kante gegenden Faschismus, wie wichtig ist dies für euch in der heutigen Zeit?
Wir sind politische Wesen. Jeder von uns ist das. Ich finde, dass die Szene einfach zu lange die Augen geschlossen und sich in dem „Wir sind eine unpolitische Szene“ - Kokon eingesponnen hat. Ich kann jeden Verstehen, der sich einen Raum wünscht in dem es nicht um Politik geht aber wir sind in einer Welt, in der täglich unsere Freiheit bedroht wird. Sei es von BigTech-Konzernen, Ultrakonservativen oder eben Nazis. Unsere Szene ist schon allein durch ihre grundsätzlichen Werte gegen jegliche Art von Freiheitseinschränkung und sich die Gefahr auszureden, zu sagen, dass alles gut ist bringt nichts. In meinen Augen führt das nur dazu, dass die Szene zum einen immer älter wird und zum anderen superelitär ist, weil die Offenheit gegenüber neuen Ideen und den Menschen immer mehr abnimmt. Das finde ich schade und ich möchte mich da auch nicht verstecken und stattdessen mit den Menschen ins Gespräch kommen. Kunst kann zum Umdenken anregen und genau das wollen wir machen. Wir zeigen Klare Kante, weil es uns als dringend notwendig erscheint.
Natürlich kann man sich in seiner Muttersprache am besten und auch am intensivsten oder auch am ehrlichsten ausdrücken, sind die Texte von SHOSTA aus diesem Grund auf Deutsch? Gibt es die Überlegung auch auf Englisch zu musizieren, um evtl. internationaler (bekannter) zu werden?
Da hab ich schon öfter drüber nachgedacht und ich hab auch schon Songs auf Englisch geschrieben für andere Projekte, jedoch finde ich, dass ich mich in Deutsch eben am besten ausdrücken kann. Und ich denke, dass die Leute das auch außerhalb des deutschsprachigen Raums zu schätzen wissen. Uns haben schon einige Nachrichten erreicht, in denen Menschen, die nicht Deutsch sprechen schreiben, dass sie unsere Musik hören und schätzen. Vielleicht überkommt es mich irgendwann nochmal und wir machen doch ein Album auf Englisch. Wer weiß…
Als Fan von Max Beckmann, wärst du stolz, wenn deine Kunst auch als "entartete Musik" gebrandmarkt wäre? (Ich hasse diesen Begriff, aber ich möchte das als "Kompliment" sehen, sozusagen als FuckYou Nazi Idee.)
Ganz spannende Frage. Wäre ich stolz darauf in den Augen von Nazis als etwas schlechtes zu gelten? Das scheint mir etwas zu platt und schwarzweiß gedacht zu sein, dementsprechend würde ich nicht sagen, dass ich da stolz drauf wäre. Was ich jedoch sagen kann ist, dass die meiste Kunst die für die Nazis als entartet galt mir persönlich unglaublich gut gefällt und mich sehr abholt. Oft ist sie abstrakt, überzogen expressiv und gibt einen Blick auf die Welt der teilweise ungeschönt oder sogar hässlich zu sein scheint. Um nochmal auf deine Frage zurück zu kommen. Ich wäre nicht stolz darauf, wenn Nazis meine Kunst als entartet brandmarken würden, aber ich wäre stolz auf meinen guten Kunstgeschmack. ;)
Das Cover von Hölle der Vögel wurd von Max Beckmann inspiriert.


Wenn ich die CD-Cover von SHOSTA , die doch recht dunkel gehalten sind, mit dem farbenfrohen Instagram (vor allem Blau, Rot und Gelb) vergleiche, muss ich fragen, ob es da einen tieferen Grund gibt
Wir hatten ja 2025 eine kurze Pause gemacht, was vor allem damit zu tun hatte, dass unser Gitarrist Nico aus privaten und für uns absolut nachvollziehbaren Gründen die Band verlassen hat. Wir wollten uns niemand neuen suchen, sondern zu zweit weitermachen und uns weiterentwickeln. Dazu gehörte ein neues Logo und auch ein neues Auftreten. Wir wollen uns mit den Farben ein bisschen abheben von dem Schwarz-weiß-Grauen Meer aus Gruftibands. Wir finden die alle Klasse aber untergehen wollten wir nicht. Aber wir wollten die Farblichkeit auf das einfachste unterbrechen und haben uns für die Primärfarben entschieden. Rot, Gelb und Blau. Schwarz und weiß sind natürlich irgendwie immer noch dabei…
Die Fledermaus ist bei euch omnipräsent, welche Bedeutung hat sie?
Das ist tatsächlich mehr aus einem Witz heraus entstanden. Irgendwann hab ich angefangen am Ende unserer Videos auf Social Media „Fledermausige Grüße“ zu sagen. Das ist dann intern und auch in den Videos zu einem laufenden Ding geworden, das immer wieder kam. Daraufhin haben wir dann entschieden, dass das einfach unser kleiner Wegbegleiter und Glückstierchen ist.


Wer sind für euch Idole, Inspirationen und mit wem wollt ihr mal was zusammen machen?
Gute Frage. Moritz und ich haben uns darüber neulich erst unterhalten ob wir mit SHOSTA irgendwelche Lifegoals haben. Natürlich gibt es Bands mit denen wir mal die Bühne teilen wollen und natürlich haben wir auch Idole zu denen wir eine besondere Bindung haben. Wir messen dem am Ende des Tages aber nicht so viel bei. Bei der Frage mit wem wir mal was zusammen machen wollen, fallen mir einige Künstler:innen ein, mit denen ich gerne einmal arbeiten würde. Ganz oben bei mir in der Liste steht Sophie Löw von der österreichischen Band Culk. Eine ganz fantastische Band, mit einer fantastischen Sängerin. Dann würde ich auch ein Projekt mit Cemgil von ZackZackZack sehr spannend finden. Außerdem freue ich mich immer über die Zusammenarbeit mit Freunden. Das schätze ich sehr. 2024 haben wir ja schon einen Track mit Livores gemacht.
Gibt es Lampenfieber und was tut man dagegen und wie wichtig ist es vor Fans zu performen und deren Emotionen zu fühlen?
Ja, Lampenfieber gibt es. Das ist auch wichtig, damit wir die Spannung haben, die wir brauchen, um auf der Bühne alles zu geben. Ohne sie wäre es wie jeden Tag zu seinem langweiligen Nine - To - Five - Job zu gehen. Die Spannung, das Leben ist irgendwann raus. Auf der Bühne wollen wir uns verausgaben, wollen unsere Gefühle über die Leute kippen und diese dann zurückgeworfen bekommen. Und wenn wir merken, dass die Leute Bock haben und sich selbst austoben und tanzen, schürt das die Lust in uns noch mehr. Es macht so viel Spaß zu sehen, wie das, was man tut, Menschen bewegt.
Ihr habt zusammen mit Clan of Xymox die Bühne geteilt und werdet es auch wieder tun. - Auf dieser Bühne performte, wie man es im Gästebuch lesen kann, auch schon Aux Animaux : ) Jetzt aber meine Frage, wie war es, und freut ihr euch auf die nächste (diesmal auch mit Aux Animaux) gemeinsame Zeit?
Absolut. Die Clan of Xymox - Menschen sind Legenden und es war uns eine Ehre mit ihnen die Bühne zu teilen und für ihre Fans spielen zu dürfen. Wir hatten danach tolle Gespräche mit einigen Leuten. Ebenso hat Aux Animaux einen jungen aber berechtigten Legendenstatus und es wird für uns noch besonderer werden wenn wir diese Ikonen supporten dürfen. Für uns ist das definitiv eines unserer Highlights in diesem Jahr.


Welche kurzfristigen und langfristigen Pläne stehen auf, wenn es sie gibt, der To-Do-Liste bzw. wurden dieses Jahr schon abgearbeitet?
Mittelfristig steht unser Albumrelease vor der Tür. Wir arbeiten täglich an den neuen Songs, weil wir das beste rausholen und den Menschen das beste von uns zeigen wollen. Dazu kommen die Vorbereitungen auf die ganzen fantastischen Konzerte dieses Jahr. Wir haben nochmal ordentlich Zeit in unsere Liveshow gesteckt und freuen uns das den Menschen zeigen zu dürfen. Langfristig wollen wir wirklich gerne mal auf dem M’era Luna und auf dem Amphi Festival spielen. Das M’era Luna war mein erstes Festival mit jungen 16 Jahren und dort einmal zu stehen ist eines unserer SHOSTA - Goals. :)
Noch etwas das unter den Fingern brennt und losgeworden werden muss?
Vielen Dank für dieses Interview und diese interessanten Fragen. Wir lieben es mit Menschen ins Gespräch zu kommen, besonders dann, wenn es um das Thema Kunst, Kultur und Gesellschaft geht. Ich habe gemerkt, dass gute Gespräche selten geworden sind. Da schau ich auch auf mich selbst, weil ich diese Fähigkeit selbst ein bisschen verlernt habe und da wohl auch Soziale Ängste mitspielen, deswegen freue ich mich sehr darüber, wenn Menschen auf uns zu kommen und Lust haben mit uns ins Gespräch zu kommen. Egal ob über ein Interview oder von Angesicht zu Angesicht auf Konzerten. Danke dafür.
Live:
28.02. - Rüsselsheim @das_rind_russelsheim
20.03. - Luxemburg @melusina_club
24.04. - Oberhausen @kulttempel
24.05. - Leipzig @dark.affair.leipzig
19.06. - Bochum @rottstr5theater
20.06. - Brilon Privat
27.06. - Hannover @bruits_delacave
18.07. - Würzburg @bhofwuerzburg
12.09. - Berlin @liebertotbln
02.10. - Halle an der Saale @objekt_5
07.11. - Bochum @gleis9.official ( with Aux Animaux )
